Whats going on?
Einige Fakten und Daten des Ethical Fashion Report von Baptist World Aid.
Auf diesen Report bin ich über Daria Andronescus Newsletter aufmerksam geworden. Und auf Daria bin ich vor vielen Jahren bei Slow Fashion Recherchen gestoßen. Mich hat gleich interessiert, was sie macht. Wir haben uns einige Male getroffen, das letzte Mal, als wir uns sahen, lebte sie in Lissabon, seit längeren nun schon in Bukarest. Ich habe auch über ihre Aktivitäten geschrieben: Hier und hier.
Ich denke, es ist wichtig, sich auch mit Daten und Zahlen zu beschäftigen, um die Dimensionen und Probleme der Modeindustrie wieder besser einschätzen zu können. Der Alltag und unsere vom Turbokapitalismus geprägten Konsumgewohnheiten schleifen manches immer wieder ein. Zumindest geht es mir so.

Erstellt wurde der Ethical Fashion Report das erste Mal 2013 als Reaktion auf die weit verbreitete Ausbeutung von Arbeiter*innen und den Mangel an ethischen Praktiken. Anlass war der tragische Einsturz des Rana Plaza Fabrikgebäudes in Bangladesch, der die Produktionsbedingungen vieler Labels offenlegte. Unter anderem dabei: H&M, Primark, Benetton, Mango, Kik, C&A, Zara, aber auch Marken wie Prada und Versace ließen dort produzieren (Quelle: Fashion Network). 1.134 Textilarbeiter starben, darunter 80 % Frauen, über 2.500 wurden verletzt.
Für den Ethical Fashion Report wurden 2024 120 Modeunternehmen mit über 450 Marken untersucht. Die Studie schaute sich fünf Bereiche an: Unternehmensrichtlinien, Rückverfolgbarkeit, Lieferantenbeziehungen, Stärkung der Arbeitnehmerrechte und ökologische Nachhaltigkeit – insgesamt wurden 13.000 Datenpunkte analysiert.
Das Anliegen ist klar und deutlich: „Der Report hat sich zum Ziel gesetzt, zum Aufbau einer gerechteren Modebranche beizutragen, in der den Arbeiter*innen der Respekt entgegengebracht wird, den sie verdienen, und in der natürliche Ressourcen verantwortungsvoll genutzt werden.“ Einige Kernaussagen des Reports:
- 89 % der untersuchten Unternehmen zahlen in keiner Phase ihrer Lieferkette einen existenzsichernden Lohn.
- 52 % der Unternehmen verwenden in weniger als 25 % ihrer Produkte nachhaltige Fasern, einige verwenden gar keine.
- Die durchschnittliche Unternehmensbewertung liegt bei nur 31 von 100 Punkten. Geratet wurden die Brands mit einem Punktesystem, wo die oben genannten Bereiche angeschaut wurden.
Mit dabei unter anderen: Abercrombie & Fitch (31 Pkte), Adidas Footwear (55 Pkte), Amazon (13 Pkte), Asos (34 Pkte), Birkenstock (15 Pkte), H&M (57 Pkte), Hugo Boss Group (40 Pkte), Levi Strauss and Co (56 Pkte), Skechers (22 Pkte), Temu (0 Pkte), UNIQLO (50 Pkte).
Good to know:
- Jährlich werden ca. 100 Milliarden Kleidungsstücke produziert.
- Weltweit arbeiten 300 Millionen Menschen in der Modeindustrie.
- Jedes Jahr fallen weltweit 92 Millionen Tonnen Textilabfälle an. Dies entspricht einem Müllwagen voller Kleidung, der jede Sekunde auf einer Mülldeponie landet.
All das Tendenz (stark) steigend. Der Grund? In erster Linie Ultra Fast Fashion. „Der jüngste Boom der Ultra Fast Fashion hat dazu geführt, dass Marken Kleidung entsprechend von Mikrotrends produzieren. Dadurch hat sich das Tempo, mit dem produziert, vermarktet und an Verbraucher*innen verkauft wird, erheblich beschleunigt.”
Der Report erinnert auch daran, dass alle Player – Unternehmen, Bürger*innen, Regierungen – ihren Beitrag leisten können. Für uns Konsument*innen wird angemahnt: „Mode ist so viel mehr als die Kleidung, die wir in Schaufenstern oder in den sozialen Medien sehen. Es geht um die Entscheidungen, die wir treffen – was wir kaufen, wie wir mit dem umgehen, was wir haben, wie wir Dinge entsorgen, die wir nicht brauchen, und wofür wir uns einsetzen. Fazit: Weniger kaufen. Besser kaufen. Mehr erwarten.”
Vielleicht habt ihr es gelesen: Frankreich hat ein historisches Gesetz gegen Ultra Fast Fashion erlassen. Die neue Gesetzgebung sieht für Unternehmen der Ultra-Fast-Fashion-Branche produktbezogene Geldbußen vor und verbietet Werbung, einschließlich der Werbung durch Influencer*innen. BoF Sustainablity Reporterin Shayeza Walid kommentiert: „Jahrelang verließen sich die politischen Entscheidungsträger weitgehend auf freiwillige Nachhaltigkeitsverpflichtungen und das Verbraucherverhalten, um die Umweltauswirkungen der Modebranche einzudämmen. Das französische Gesetz deutet darauf hin, dass Regierungen zunehmend bereit sind, das Geschäftsmodell selbst zu regulieren.”
Das sind Good News. Es geht langsam weiter, aber es geht weiter!
Bis nächste Woche, on we go!
Susanne
Hier den Report runterladen. Schreibt mir ob euch solche Blicke hinter die Kulissen interessieren.






