Was ziehen wir an 2026?
Eine sehr persönliche Auswahl
Trends werden immer undurchsichtiger. Gefühlt ist alles gleichzeitig da. Jede Designer*innen-Handschrift schaut anders aus, bedient sich gerne historischer Referenzen und/oder zitiert/kopiert offensichtlich andere. Die größten Häuser versuchen dabei, so viele Geschmäcker wie möglich zu erreichen. Micro-Trend folgt auf Micro-Trend, jede Community macht sowieso was sie will. Trends stiften zum Teil mehr Verwirrung, als Klarheit darüber, wo wir gerade stehen.
Sich schnell verändernde Trends treiben aber auch die Modeproduktion und unseren Konsum in die Höhe. Mit vielen unschönen Konsequenzen. Nicht wenige sind daher auch schlicht und einfach erschöpft vom ständigen Trend-Bombardement. Die Youtuberin Emma Chamberlain sagt dazu u.a. in ihrem Modeprognosen 2026-Video, dass es offensichtlich immer weniger cool sei, mit Trends mitzugehen bzw. ihnen hinterherzulaufen.
Aber ganz so einfach ist es nicht. Trends lösen sich zwar immer mehr auf, dennoch sind sie da und beeinflussen uns. Wir leben heute, nicht gestern und noch nicht morgen. Der Zeitgeist gibt uns Tendenzen, einen Rahmen vor, wie sehr wir jedoch im Turbo-Trend-Hamsterrad stecken, hängt von vielen Faktoren ab: ich nenne hier nur Medienkonsum, Selbstbewusstsein und Budget.
Ich schaue mir viel an, verfolge die Arbeit vieler Designer*innen und lese regelmäßig, was sich so tut in der vielfältigen Modewelt. Die gehäufte Verwendung von viel steht geradezu symptomatisch für den Status Quo der Mode. Alles ist viel, zu viel.
Da ich keine Trendforscherin bin, mir aber VIELE Gedanken zur modischen Gegenwart, Zukunft und auch Vergangenheit mache, kann ich nur einiges zusammenfassen, was ich beobachte, was mich interessiert, was mir so in den Kopf kommt, was ich trage und tragen möchte.
Layering wird seit einigen Jahren rauf und runter dekliniert und bleibt wohl eine der wichtigsten Styling-Techniken. Vor allem, weil es dafür nur Kreativität braucht (dazu mehr im nächsten NL), das, was schon im Schrank hängt, neu zusammenzustellen. Wer das in meinen Augen sehr ansprechend macht, ist zum Beispiel die New Yorker Textildesignerin Denise Soued. Die Leichtigkeit mit der sie layert, coole und easy Looks zusammenstellt, gefällt mir sehr.
Der nun (leider) bei Dior wirkende Designer Jonathan Anderson sagte kürzlich: „Fashion isn‘t just about individual pieces (form), but about the creative, often unexpected, arrangement and presentation (style) of those elements, blending tradition with contemporary flair, surrealism, and intellectual curiosity, creating looks that feel both familiar and uniquely off-kilter to provoke thought rather than just appeal to the market.
Der Secondhand Markt wächst kontinuierlich, das sind gute Nachrichten. Secondhand, Vintage ist für mich ein wesentliches Element für persönlichem Stil. Von der Stange kann jede*r.
Die 80ies sind ein willkommenes Comeback. Starke Schultern sind angesagt, die brauchen wir auch. Habt ihr meinen Post dazu schon gelesen?
Mini Capes geistern schon ziemlich lange herum in meinem Kopf, zu Weihnachten hab ich eines bekommen. LOVE IT. Gerade haben Miuccia Prada und Raf Simmons, aber auch einige andere, für den Männer-Herbst sehr coole Mini Capes präsentiert.

Männermode wird immer einflussreicher. Vielleicht weil sie übersichtlicher, zugänglicher und alltagstauglicher ist? Die Ideen der Designer*innen zeigen sich jedenfalls klarer, offensichtlich ist der Druck so viele Kund*innen wie möglich glücklich zu machen hier weniger groß. Wir werden, denke ich, in Zukunft viel öfter in die Männerabteilungen gehen. Oder uns inspirieren lassen.
Epauletten: Gerade hat JW Anderson seine 2. Menswear Kollektion für Dior gezeigt. Für den Herbst schlägt er u.a. Epauletten vor. Spielerisch und SEHR cool. Wem das gefällt (mir!): easy DIY.

Prints: Streifen, Nadelstreif, Polka Dots, Camou sind Evergreens und Staples. Ebenso Animal Prints: Ich bin ein Fan von Leo, Tiger, Zebra und Snake, weniger von Chita, Kuh und vom angeblich kommenden Deer (Reh) Print.

Schürzen: Miu Miu hat Schürzen in unterschiedlichen Farben und Formen auf den SS 26 Laufsteg geschickt. Und ich muss sagen, das ist ein Trend, der bei mir landet. Meine Schwester hat Schürzen schon vor Jahren gestylt. Ich hab eine Art Schürzenkleid von qollezione, der Südtiroler „Blaue Schurz“ ist ein Klassiker, nur muss man sich trauen, ihn fashionable zu stylen und Violeta Nevenova macht gerade eine Schürze für mich aus unserem alten Leinen-Bettüberwurf, der leider an verschiedenen Stellen durchgerissen ist. Es lohnt sich meiner Meinung nach, das ein oder andere Haushalts-, Berufsbekleidungsgeschäft zu durchforsten. In den Miu Miu Show Notes heißt es zur Schürze: „The collection is a consideration of the work of women. Work as an expression of effort. Work as a symbol of care and love. Work as a reflection of independence, a means of agency. The apron, as a universal symbol of work, is afforded a nobility and respect.“ Nice.

Flip-Flops everywhere! Mal schicker, mal basic. Schon gelesen meinen Sommer-Post?
Perfektion ist immer weniger cool. Das Übermaß an Künstlichkeit hat begonnen ein wenig abzuflauen. Jedenfalls häufen sich Plädoyers für realistische Gesichter und Körper. Danke Jodie Foster und Kate Winslet.
Weiße Sneaker are coming back: ist jedenfalls meine Annahme. Aber nicht wie immer noch gerne von Sportreportern oder Marketings-Jungs getragen (no offence guys!): zu neu, zu weiß, zu schmalen (oft zu engen) Hosen, den Knöchel freilegend. Sondern: aus leichten Materialien, easy, zu (über-)langen Hosen. Ich hab jedenfalls ein ca. zehn Jahre altes, etwas fragwürdiges Paar wieder rausgezogen. Mal sehen.
Zu beobachten ist auch ein Shift zu persönlichem Stil. Ohne hier eine Doktorarbeit schreiben zu wollen, geht’s einfach darum, sich mit Kleidern so auszudrücken, wie es uns persönlich entspricht. Mit Intention. Und dem Wissen darüber, wer wir sind. Egal, welcher Trend gerade angesagt ist. Ein gut sortierter Kleiderschrank hilft dabei.
Accessoires machen jedes Outfit persönlicher. Ob Tücher, Mützen, Hüte, Schuhe, Taschen, Gürtel, Broschen, Schmuck… Dabei empfehle ich selbst kreativ zu werden als Ideen aufzugreifen, die zu offensichtlich TREND schreien.
Auch wenn eine bessere, fairere und nachhaltigere Modeproduktion gerade nicht so großen Anklang findet bei Konsument*innen und das nach sich zieht, dass sich Unternehmen noch weniger darum kümmern, bin ich überzeugt davon, dass es langfristig keine Alternative dazu gibt. Allein schon, weil die Lieferketten zunehmend fragiler werden. Der Klimawandel und die mit der Textilproduktion verbundenen sozialen und ökologischen Themen gehen nicht nur nicht weg, sondern werden größer. Also: sich bewusster zu kleiden ist ein langfristiger Trend.
Zusammengefasst, ziehen wir also an, was wir wollen. Bzw. suchen uns das heraus, was uns entspricht. Den Zeitgeist ein wenig im Auge behaltend.
Play with your clothes! Dieses Motto soll uns 2026 begleiten.
Was beobachtet ihr? Was habt ihr Lust zu tragen? Let me know!
Alles Beste,
Susanne
Als Tipp dieses Video von Tuba Avalon, die ein paar exzellente Schuh-Labels präsentiert:





