Ultra Fast Fashion is a no go
Wie weit wollen wir noch gehen?
Das Thema ist heiß und auch nicht ohne Kontroversen. Dass Ultra Fast Fashion, Fast Fashion und Fashion überhaupt viele soziale und ökologische Probleme nach sich ziehen, wissen heute die meisten. Wer nicht blind und taub durchs Leben geht, hat mitbekommen, dass die Textil-/Modeindustrie nicht gerade rund läuft. Die Produktionsmengen steigen und steigen, die Qualität sinkt, die Abfallmengen steigen, die Arbeitsbedingungen der Textilarbeiter*innen haben sich nur wenig verbessert in den letzten Jahren. Ich könnte hier Skandal um Skandal auflisten, Problem um Problem, aber das würde den Rahmen und vermutlich auch eure Aufmerksamkeitsspanne sprengen.
Worum es mir vor allem geht? Unmissverständlich klar zu machen: Ultra Fast Fashion ist der Schritt zu viel in die falsche Richtung. Ich weiß, dass zu harsche Worte, der erhobene Zeigefinger meist das Gegenteil bewirken. Ich bin jedoch überzeugt davon, dass die Spitzen des Üblen klar benannt und auch sanktioniert werden sollen. Hier wurde und wird eine Grenze überschritten.
Die KI definiert Ultra Fast Fashion als „eine Steigerung des klassischen Fast Fashion Modells – mit noch kürzeren Produktions- und Lieferzeiten. Ständig werden neue Kollektionen in rasantem Tempo entworfen, gefertigt und in den Verkauf gebracht. Statt sich an traditionellen Modesaisonen zu orientieren, kommen hier täglich Tausende neue Artikel auf den Markt, gesteuert von Software-Algorithmen, die aktuelle Trends in Echtzeit auswerten.“
Zu den bekanntesten Ultra Fast Fashion Marken gehören Shein, Boohoo, PrettyLittleThing und Asos. Shein zum Beispiel kontert auf mediale Angriffe: „Wir geben den Leuten nur, was sie wollen“ (Quelle: BoF). Das mag in Teilen stimmen, aber ganz so einfach ist es auch wieder nicht. Der chinesische Gigant lockt mit psychologisch ausgefeilten Marketing-Strategien und Schleuderpreisen. Er ist dafür bereits mehrfach belangt worden. Aber offensichtlich schreckt es die Shein-Kund*innen nicht ab, dass die Qualität mau ist, zum Teil giftige Inhaltsstoffe in den Produkten gefunden wurden und derart billige Preise offensichtlich nur durch Ausbeutung erzielt werden können. Argumentiert wird hier gerne, dass es nur fair sei, auch mit wenig Geld, an Trends teilnehmen zu können. Ja, aber. Dass andere (Menschen und Umwelt) die Kosten zahlen wiegt schwerer würde ich meinen. Ebenso, dass wir langfristig Probleme kreieren, die uns alle betreffen. Das Konzept von kurzfristigen Trends ist sowieso grundlegend zu hinterfragen. Und: An Trends teilnehmen können geht auch anders. Viele billige Kleidungsstücke, die nicht lange halten zu kaufen, kommt am Ende immer teurer.
Vor kurzem habe ich bei einem lokalen Swap mitgeholfen und schau an, das erste Mal waren auch Shein Stücke dabei. Ich habe sie in den Entsorgungssack gesteckt, diese Teile sollen nicht weitergegeben werden. Leider ist der Mist nun auch bei uns angekommen.

Shein hat große Pläne. Zum Beispiel vom virtuellen Raum in den realen zu expandieren. Der erste Store ist gestern, 5. November, in Paris eröffnet worden. Mit Polizeischutz, weil die Pariser gegen Shein auf die Straße gehen. Unterschriftenpetitionen laufen bereits seit längerem. Ob das etwas hilft? Der Shein Börsengang in London ist jedenfalls abgeblasen worden, angeblich weil der Konzern andere Strategien verfolgt, vielleicht jedoch auch weil der Widerstand beträchtlich war. Welche Chance haben wir überhaupt diese Auswüchse zu verhindern? „Business first“ ersetzt heute überwiegend Augenmaß und Verantwortung.
Natürlich geht es nicht nur um Shein, Temu, Asos, Boohoo etc. Natürlich geht’s auch um Fast Fashion und die immer wieder entdeckten unethischen Produktionspraktiken der Luxusindustrie. Wir konsumieren (fast) alle zu viel. Und leider ist Ausbeutung in der globalen Modeindustrie geradezu systemimmanent. Mit nur wenigen Ausnahmen. Aber wenn jede und jeder zumindest das ihr und ihm möglich Beste kauft, dabei mehr nachdenkt, genauer hinschaut und zumindest auf Ultra Fast Fashion verzichtet, würde es schon ein Stück weit besser laufen.

Wie seht ihr das? Let me know!
Vemo-nos por aí (ich schicke diesen NL aus Porto los), bis demnächst!
Susanne
Und im Tipp zwei Videos, die die Shein Strategien genauer beleuchtet:
Und dieses:




