Show your Personality
Sich so zu kleiden, wie es einem wirklich gefällt, scheint eine Freiheit zu sein, die nicht alle für sich in Anspruch nehmen.
Hier bin ich wieder – gut erholt – und auch gleich mit einer Ankündigung: Neu für die Paid Subs ist der monatliche Edit! Ich bin viel unterwegs in Slow Fashion-, Secondhand- Vintage- und Concept-Stores – in verschiedenen Städten im In- und Ausland. Jeden Monat gibt’s ab nun eine Auswahl dessen, was mir auf- und ins Auge gefallen ist. Mit dabei auch Bücher, Filme, Restaurants, Weinempfehlungen (mein Mann ist Agronom und Önologe!), Ausstellungen, Begegnungen, Museen, das ein oder andere Beauty-Produkt und Styling-Tipps… Erlebnisse und Fundstücke, die mir Freude machen und die ich mit euch teilen möchte. Start: 30. Juli.
Los geht’s.
Manchmal muss ich sagen, nervt das ständige Reden über persönlichen Stil. Es strengt mich an, wenn es zu viel wird. Und ich denke mir, „gibt es nicht Wichtigeres?“ Gleichzeitig beobachte ich, dass wir uns äußerlich immer ähnlicher werden. Die lokalen Versionen der Kardashian/Jenners oder ähnlich gestylter und zurecht gemachter Influencerinnen und Girls treffe ich in der Zwischenzeit in jeder Stadt. Nicht zu reden von den Socials. Auch Brands bieten immer ähnlichere Produkte an.
Am Ende des NLs habe ich eine Reihe von Videos und Substack-Artikeln für euch zusammengestellt, die unterschiedliche Aspekte des hier Ausgeführten thematisieren, denn wie gesagt, dem Thema entkommt man kaum, es ist aktuell wirklich überall.


Wir haben unterschiedliche Persönlichkeiten, unterschiedliche Körper und Vorlieben, sind in unterschiedlichen Lebensphasen, leben in unterschiedlichen Kulturen. Da sollte das Ergebnis des täglichen Ankleidens ziemlich unterschiedlich aussehen, oder? Heute werden wir vor allem von Algorithmen gesteuert, die uns direkt oder indirekt zu verstehen geben, wie wir auszusehen und was wir zu tragen haben. Den Globalen Stil- und Beauty Standards zu entkommen ist fast nicht mehr möglich.
Dennoch bin ich der Meinung, wir sollten es zumindest versuchen und uns die Freiheit nehmen, uns so wenig wie möglich fernsteuern zu lassen. Das gilt übrigens für alle Lebensbereiche. Welche Wohltat ist es, Menschen zu treffen, die hier näher bei sich sind und das auch ausdrücken. Vielleicht nicht mal immer bewusst.

Persönlichen Stil gibt’s nicht von der Stange. Was es dazu braucht? Sich kennenzulernen, ehrlich in sich hineinzuschauen, zu experimentieren, Bedürfnisse, Wünsche zu benennen, den Mut aufzubringen, sich auf diesen Weg zu machen, der, so lange wir leben, nicht zu Ende ist. Es macht Spaß herauszufinden, welche Stoffe man mag, welche Texturen, Muster, Cuts, welche Proportionen einem stehen, welche Farben, worin man sich gut fühlt. Darüberhinaus aber auch neugierig sein auf die Welt, viel lesen, viel anschauen und viel nachdenken. Um es mit der verstorbenen Designerin Vivian Westwood zu sagen: Das attraktivste Accessoire ist ein Buch!

Wenn ihr in euren Schrank schaut, was seht ihr da? Spiegelt das, was da hängt, eure Persönlichkeit, euer Leben wider? Die Stylistin Allison Bornstein hat das mal so beschrieben: „Fashion and personal style take work and a deep understanding and excavation of oneself. If you do not know who you are, how can you properly express that through what you wear? You can’t. There is no shortcut. You cannot buy your way to personal style.” In den Schrank zu schauen und dort Stücke zu finden, die zu einem passen, macht Freude. Das geht zwar nicht von heute auf morgen, aber es lohnt sich, dran zu bleiben.


Sich in ein Outfit von der Stange zu kleiden, das zu kaufen, was Influencerinnen oder Brands gerade hypen, ist vergleichsweise einfach, wenig individuell und auch wenig nachhaltig. Das heißt nicht, sich nicht inspirieren zu lassen. Mir geht’s darum, Lust und vor allem Mut zu machen, sich zu zeigen. Und je älter frau wird, desto mehr sollten wir zeigen, wer wir sind.


Unser Kleiderschrank ist also gewissermaßen die Verlängerung dessen, wer wir sind und was uns wichtig ist. Was sagt er aus? Bei mir: da ist einiges an Stilmix zu sehen, überwiegend Secondhand/Vintage, Sachen, die ich schon lange habe, auffallendere Stücke von Designer*innen, die ich schätze und ein Mix an Basics. Die Zurückhaltung und Strenge des Minimal Chic ist offensichtlich nicht meine Sache. Ich mag Abwechslung, nicht nur im Kleiderschrank.

Nochmals Allison Bornstein, die uns dazu auffordert: „Live your life! Fashion and style is all about a life lived. It is about things you like, people you look up to, books you read, places you travel. Your style is just a tool to express who you are.”
In diesem Sinne, have fun with your clothes!
Yours,
Susanne

Weitere Lektüre und Videos:
What Britain’s best dressed can teach you about style
Die Stylistin Erin Walsh über How to dress intentionally
Elisabeth Cardinal Tamkin auf Substack über “The Art of Developing Personal Style”
Ebenso auf Substack “How I found my personal style (and it wasn’t what I expected)” von Katja & Marija
Ela Grego über Personal Style Crisis nobody talks about



WAS man trägt und WIE man SICH trägt, ist das erste, was andere an uns wahrnehmen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenig sich dessen die meisten bewusst sind - OBWOHL wir mit einem Überfluss von Tipps und Hacks im Mode-, Selfcare- und Lifestyle -Bereich konfrontiert sind. Ein Beweis dafür, dass die Orientierung am Außen nur in Verwirrung endet, und die Orientierung am Innen immer mehr verloren geht.
Deshalb sind Stimmen wie deine umso wichtiger!
Liebe Susanne, toller Artikel. Du sprichst mir aus dem Herzen. Allerdings bin ich durch Beruf (Berufskleidung) und Kleinstadt (da lasse ich mich leider sehr beeindrucken) doch sehr zurückhaltend. Umso schöner immer wieder deine Styles zu sehen und immer wieder, ganz langsam, etwas für mich umzusetzen. Diese Mode - Einheitsbrei ist zwar schön anzuschauen aber doch zunehmend langweilig. Hab ein schönes Wochenende 😊