Lefties?
Der unschöne Weg von Leftovers zu Ultra Fast Fashion
Schon mal was von Lefties gehört? Ich erst vor kurzem. Durch einen Newsletter der von mir sehr geschätzten Journalistin Clare Press. Sie schreibt da über die Praktiken von Shein und wie andere Firmen nachziehen. Lefties gehört zum Zara Mutterkonzern Inditex und wurde ursprünglich als Outlet für Zara-Restbestände (Lefties von Leftovers) gegründet. Aber inzwischen ist daraus eine eigenständige Marke mit eigenen Kollektionen geworden. Die Billigklamotten von Bershka, Pull&Bear, Stradivarius und Mango sind offensichtlich nicht billig genug, um mit Shein und Co konkurrieren zu können. Nun also Lefties. Zielpublikum? Junge Kund*innen.

Zara macht vor, wohin es nicht gehen sollte: Ultra Fast Fashion als Teil der eigenen Strategie zu pushen. Dabei ist Inditex, laut BoF in den letzten Jahren weitaus schneller gewachsen als seine Konkurrenten und hat seinen Umsatz in den drei Jahren bis 2024 um bis zu 40 Prozent gesteigert. Zaras Vorstoß in das Premiumsegment stoße allerdings auf Gegenwind, da die Verbraucher den Gürtel enger schnallen und sich offenbar gegen Preise wehren, die laut dem Marktforschungsunternehmen Lectra in den letzten fünf Jahren in Europa um durchschnittlich 22 Prozent und auf dem wichtigen US-Markt bis zu 70 Prozent gestiegen sind.
Lefties hat neben einem Online-Shop in der Zwischenzeit auch viele Filialen in Europa, hauptsächlich in Spanien, Portugal und Andorra, aber auch in Italien, Rumänien und der Türkei. Lefties gibt es darüberhinaus u.a. in Mexiko, Marokko, Tunesien, Ägypten, Saudi Arabien, Katar, Bahrein und den VAE. Der Slogan? „LEFTIES EVERYWHERE, ON EVERYONE™”. Der Insta Account hat immerhin 1,7 Millionen Follower. Das neue Jahr wird mit einem „Clean Start” beworben, in einer Ästhetik, die wie Shein Luxusmarken kopiert: minimal und sophisticated. Dazu gibt’s Jacken um 19,99 Euro, einen Trench um 39,99, Slingbacks um 19,99, eine Umhängetasche um 9,99 Euro. Eh klar, alles aus Plastik. „Diese Preise sind nicht so niedrig wie die von Temu oder Shein, aber sie lassen Zara luxuriös erscheinen”, schreibt Clare Press. Hier wird offensichtlich bei Konsument*innen doppelt gepunktet.
Natürlich braucht es Alternativen. Also Möglichkeiten besser einzukaufen. Ich empfehle zunächst mal lokal zu schauen, Secondhand in Betracht ziehen und auf Plattformen zu recherchieren, die besser produzierende Brands featuren. Zum Beispiel die Rating-Platform Good on you oder das GREENSTYLE Brand Directory, auch Lottozero hat ein Directory und Martina Gleissenebner-Teskey baut gerade brands4future auf. Für Südtirol empfehle ich in unsere Slow Fashion Map zu schauen.

Clare rechnet nicht damit, dass „Cheap” in absehbarer Zeit vorübergehen wird. Ich schließe mich ihrer Einschätzung an. Zu sehr sind wir daran gewöhnt (worden), dass Mode wenig kostet. Der Blick dahinter, also wieso sich weder Qualität, noch faire Arbeitsbedingungen, noch Rücksicht auf die Umwelt so ausgehen können, wird immer noch überwiegend vermieden, weil unangenehm.

The Fashionista zitiert eine Designerin, die vor kurzem in einem großen britischen Einkaufszentrum mit dem Retail-Team darüber sprach, ob für ihre Kund*innen Nachhaltigkeit wichtig sei. „They said no”, war die Antwort. „Die Klimadiskussion in der Modebranche sei einfach untergegangen. Die Kunden seien weder interessiert noch ausreichend informiert, sagt sie. Und führt dies auf die globale Instabilität, die Krise der Lebenshaltungskosten und eine US-Regierung zurück, die eine Haltung vertritt, bei der Profite vor Ethik stehen. „Trotz jahrzehntelanger Kampagnen konsumieren wir immer noch zu viel. Von 2019 bis 2022 stieg der Textilverbrauch in der EU von durchschnittlich 17 kg auf 19 kg pro Person. Shein ist mittlerweile die zweitbeliebteste Shopping-Website (nach Amazon) für die Generation Z in Amerika.”


Wieso sich jedoch diese Geschäftsmodelle auf lange Sicht nicht ausgehen können, darum geht’s nächste Woche. Stay tuned, denn das wird spannend: ein Erklärungsversuch mit Hilfe der Thermodynamik.
Also NO zu Lefties und JA zu Stücken aus Reststoffen.
Have a good week!
Susanne
Ihr könnt Clares Ausführungen über Shein auch als Podcast hören. Sehr zu empfehlen! Sie hat dafür mit David Hachfeld von der Schweizer NGO Public Eye gesprochen.
Inside Shein – How the Ultra Fast Fashion Brand makes Clothes so cheap.




