Fashion-forward Vintage Style
Eine Umfrage.
Vor kurzem las ich bei Jess Cartner Morley im Guardian, dass, wer wissen möchte, wohin es geht modemäßig, sich in Vintage-Stores umschauen sollte. Die Kund*innen (und Betreiber*innen) wüssten am besten Bescheid. „If you want to know where fashion is going next, the best place to look is not the catwalk but vintage stores and car boot sales. Vintage shoppers are the most fashion-forward demographic, so what they are wearing now you’ll be wearing in a year or so.“
Vintage wird ja aus vielerlei Gründen gekauft: bessere Materialien und Schnitte, individuelle Stücke für individuellen Stil, besser fürs Klima und ein Statement gegen die Wegwerfgesellschaft. Aber offensichtlich ist Stil dann doch das ausschlaggebende Element. Im Artikel geht es denn auch maßgeblich um den angesagten Trend Posh Grandpa.
Vintage ist als Begriff spezifischer als Secondhand und man versteht darunter Stücke, die zumindest 20 Jahre alt sind. Vintage steht für ikonische Schnitte, hohe handwerkliche Qualität und den Modestil der jeweiligen Zeit. Fast Fashion ist hier definitiv nicht mit von der Partie. Wer Vintage von Kopf bis Fuß trägt, läuft jedoch Gefahr als Museumsstück wahrgenommen zu werden. Manche mögen das, die meisten eher nicht. Alt will also gut getragen und gestylt werden.
Ich habe mich bei einigen Vintage-Store-Betreiberinnen und Secondhand-Fashionistas umgehört, wonach ihrer Beobachtung nach, gerade gesucht wird bzw. wonach sie suchen und welche Vibes angesagt sind.
Auf Izzy – The Conscious Voice of Sustainable Fashion bin ich via Instagram aufmerksam geworden. Sie ist Vintage und Secondhand Fan und lebt in Frankfurt. Izzy liebt Oversize-Looks, derzeit kauft sie vor allem gestreifte Männerhemden. Auch Over-Shirts mag sie sehr, erzählt sie mir, da sie so gut zu kombinieren sind. Stilistisch bevorzugt sie klassische Schnitte, aber in richtig „bolden” Farben. Durch eine Farbberatung ist sie auf kirschrot gekommen und sagt: „Wenn ich nach etwas suche dieses Jahr, dann sind es Stücke in kirschrot“.


Sara ist Vintage Fan seit (fast) immer. In ihrem Geschäft Klamotte in Meran kuratiert sie denn auch eine tolle Auswahl an Pre-Loved Stücken. Lustig war, dass Sara genau den oben zitierten Guardian Artikel empfiehlt! Ihr Herz schlägt gerade für „Herrensakkos aus Pure Virgin Wool, made to last”. Für Sara ist #poshgrandpastyle der Inbegriff von Vintagemode. Außerdem empfiehlt sie selbstgestrickte Tops/Gilets, allein getragen oder zu Blusen und Hemden mit Muster oder Spitze – drunter oder drüber kombinieren. Auch Krawatten einzusetzen findet sie gut, #Workwear und #Layering, verschiedene Materialien zu mixen und Picnic Skirts dazu tragen. Und für den Winter Loden, Schottenröcke, Herrenpullis im Missoni Style – immer den Posh Grandpa als Referenz. „Wichtig: nicht einfach bestellen, sondern die Qualitäten vor Ort fühlen und kombinieren. Und sich IRL inspirieren lassen.“
Mirjam Smend hat für große deutsche Fashion Magazine geschrieben und sich vor über zehn Jahren dafür entschieden, die Veränderung der Modeindustrie aktiv voranzutreiben. Sie ist Gründerin der GREENSTYLE Munich, vor einigen Monaten hat sie ihre Agentur Studio Mirjam Smend eröffnet, wo sie „strategic storytelling for brands with attitude, relevance and impact“ anbietet. Was sagt sie zum Thema? „Vintage-Stores sind für mich keine Trendarchive, sondern Zukunftslabore. In Vintage-Stores sehe ich, welche Ideen, Silhouetten und Qualitäten die Zeit überdauern. Vintage-Stücke erzählen von kultureller Bedeutung, Identität und Haltung – und genau das ist für mich relevanter als die Frage, was nächste Saison auf dem Laufsteg passiert.“
Die junge Graphikdesignerin Marie Larcher liebt Secondhand, gerade fühlt sie sich zu Boho Vibes hingezogen. „Ich bin vor allem an Stücken interessiert, die man sonst nicht sieht.” Wichtig sind ihr auch Textur, Silhouette und das Entdecken neuer Farben.
Die Niederländerin Eva van Gelder betreibt seit eineinhalb Jahren das Vintagegeschäft Pezzi di Perla in Bozen: „What I look for myself are well-constructed garments, mostly designer pieces. I love a good bar jacket — tailored in at the waist — and I’m seeing them come back into trend again. I have one from the 80s, an Yves Saint Laurent in black velvet with a mandarin collar, and I keep spotting similar coats appearing in the collections again. What intrigues me most are designer pieces from the 80s and 90s, partly because they’re made so well. Right now I have a Prada dress from ‘92 in the shop, and the way the whole thing is constructed — down to the hemmed underskirt — makes my heart beat faster. These are mostly the pieces I’m selling at the moment, and sourcing for my clients. For myself, I’m slowly building a collection, but for now it has to stay mostly functional — life with a small child and a dog plays its part. I’m not sure I’m drawn to one particular design style; what I really love is playing and experimenting with silhouettes. I like a more tailored fit, peplum shapes, or boxier jackets. And I’m trying to experiment more with colour and print, since half my wardrobe is black and navy — so I’m mostly on the hunt for colourful pieces in the right size, and, when it’s a top or cardigan, in my own colour tones.
Lately, I’ve been obsessed with jewellery. I don’t have a large collection and I tend to wear the same pieces over and over again, which is why I’m always on the lookout for statement pieces. I’ve managed to get my hands on a few really eye-catching necklaces featuring ribbons and crystals, as well as large vintage gold earrings and earrings designed by the local artist Valentina Romen. The trend of wearing large, statement jewellery is also making a comeback right now.
Und was inspiriert mich gerade? Auch ich schaue mich nach guten Männerhemden um, außerdem nach Vintage Tweed Jacken. #poshgrandpa oder einfach good men’s style ist immer eine Referenz für mich. Vor kurzem hat mir eine Bekannte ein Reel des New Yorker Vintage Lovers Elliot Duprey geschickt, very inspiring! Und um es mit Jess Cartner-Morley zu sagen: „Posh Grandpa is fashion’s new main character”.

Wie denkt ihr über das Thema? Ist Vintage euer Ding?
Take care, so long,
Susanne
Wer kennt sie nicht? Vintage Queen Chloë Sevigny. Hier im Gespräch mit Harper’s BAZAR.







Thank you for featuring me in your article Susanne! I love how you have interviewed so many people from different locations and backgrounds. It is a very individual but integrated approach! Love it ❤️ keep up the writing :)