„Chi più spende, meno spende“ – Carlo Goldoni
Schon der Dichter wusste, dass es sich lohnt, auf Qualität zu setzen.
Letzte Woche war ich eingeladen, bei einer Tagung über die Entsorgung von Gebrauchtkleidung, einen Vortrag zu halten. Unter anderem habe ich darüber gesprochen, dass wir, meiner Meinung nach, kein Recht auf Kleidung haben, die nur wenige Euros kostet. Das hat eine Journalistin gleich aufgegriffen und in ihren Radio- und Fernsehbeitrag gepackt. Ich weiß, dass eine solche Aussage provoziert, ich weiß auch, dass sie falsch aufgefasst werden kann. Die sogenannte Demokratisierung der Mode, also Bekleidung erschwinglich zu machen, ist ja keine schlechte Sache an sich. Nur sollte das nicht auf dem Rücken der Menschen ausgetragen werden, die unsere Kleidung produzieren und nicht auf Kosten der Umwelt gehen. Man muss sich nur mal fragen, wie es sich ausgehen soll, ein Kleidungsstück, das zum Beispiel aus Baumwolle ist – die angebaut und geerntet werden muss, dann zu Garn und Stoff verarbeitet, gefärbt, genäht, verschifft und zu uns gebracht wird –, für wenige Euros fair herzustellen. In dieser Hinsicht sind wir Konsument*innen auch Opfer einer profitgierigen und mit allen Marketing-Tricks bewaffneten Industrie, die uns vorgaukelt, dass das alles ok ist.

Wie GREENSTYLE-Gründerin Mirjam Smend immer wieder betont: „Besser produzierte Mode ist nicht zu teuer, Fast Fashion ist zu billig“. Heute geht’s auch nicht mehr nur um Fast Fashion, sondern bereits um Ultra Fast Fashion. Anbieter wie der chinesische Konzern Shein werfen täglich Unmengen an billigst produzierter Kleidung billigst auf den globalen Markt.
Habt ihr das schon gelesen?
Dass sich viele Menschen schwer tun mit ihrem Geld bis ans Ende des Monats zu kommen, ist mir klar. Dennoch bleibe ich dabei: Wir müssen unser Konsumverhalten dahingehend verändern, dass zumindest die Spitzen des Üblen gekappt werden. Da sich die großen Unternehmen offensichtlich nicht mit Selbstverpflichtung und verantwortungsvollem Handeln hervortun – deswegen braucht es gesetzliche Regelungen –, können wir zumindest versuchen, Druck zu machen. Und der geht auch über die Brieftasche. Wir entscheiden, wem wir unser Geld geben. Je mehr Menschen hier Haltung zeigen oder einfach besser rechnen, desto schneller reagieren die Konzerne. Das hat mir vor Jahren auch ein Designer bestätigt, der u.a. für Zara entwarf.



Qualität zahlt sich meiner eigenen Erfahrung nach immer aus. Die billigen Fetzen taugen ja meist nichts. Kennt ihr das Konzept „Cost per wear“? Man dividiert den Anschaffungspreis eines Stücks durch die Zahl wie oft man das Stück trägt. Ungefähr reicht schon. Es ist eine Methode, um den wahren Wert eines Kleidungsstücks zu berechnen und eine tolle Formel, die sich auch schon bevor man was Neues kauft, anwenden lässt. Wie oft werde ich das Stück tragen? Wie kann ich es stylen? Wie langlebig ist es von den Materialien, vom Schnitt, vom Style her?

Gute Materialien, gute Verarbeitung, ein Schnitt, der mir und zu mir passt, eine Farbe, die mir steht, machen nicht nur viel mehr Freude, diese Stücke werden auch zur Basis unserer Garderobe. Und meist stellt man fest, dass es im Long Run günstiger ist, auf Qualität zu setzen. Auch bei H&M oder Zara gibts immer noch gute Stücke zu finden – muss man aber suchen. Wenn man vorhat, sie viele Jahre zu tragen, ist das jedenfalls eine Möglichkeit, wenn das Budget eingeschränkt ist. Sich beim Kauf mehr Zeit zu lassen und sich einige Fragen zu stellen verhindert Impulskäufe, die oft nur den Kleiderschrank anfüllen. Nicht selten löst sich das Verlangen nach dem neuen Stück schon nach kurzer Zeit auf.

Es gibt viele Wege besser einzukaufen. Secondhand ist toll, weil schon da, individuell, preislich interessant und oft sind die Materialien besser, vor allem bei Vintage. Auch die Anzahl der Labels, die fairer und nachhaltiger produzieren und dabei preislich gut liegen, hat zugenommen in den letzten Jahren. Ich empfehle hier mal bei der Plattform Good on you reinzuschauen, da werden Labels geratet und man findet viele Marken, die es schon besser machen.


Beim Schreiben dieses Textes frage mich, was Carlo Goldoni wohl zu Fast Fashion und unserem Überkonsum sagen würde? Vermutlich käme ihm das alles ziemlich absurd vor. Im Rahmen des Möglichen besser zu kaufen, das lege ich uns allen ans Herz. Der berühmte Dichter soll uns dabei leiten.
In diesem Sinne, gute Tage, bis nächste Woche,
Susanne
Im Tipp ein Buch, das ich sehr interessant fand. Die Philosophin Lea Ypi schreibt in „Frei” über ihre Kindheit und Jugend in Albanien, ein Land über das wir bis heute fast nichts wissen.
Und hier ist Ypi zu Gast bei „Das große Gespräch” auf Arte.




